Bündnis für bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Landkreis Kassel. Das Gesundheitsamt Region Kassel hat gemeinsam mit einer großen Zahl von Institutionen den Gemeindepsychiatrischen Verbund für Kinder und Jugendliche (GPV-KJ) der Region Kassel gegründet. Der deutschlandweit in dieser Art einmalige Verbund dient als gemeinsame Plattform, auf der sich Fachstellen über neue Angebote, Projekte und Entwicklungen austauschen können.
Was genau macht der Gemeindepsychiatrische Verbund für Kinder und Jugendliche?
"Uns war wichtig, dass der Verbund den Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine noch bessere Möglichkeit zur Abstimmung und besseren Zusammenarbeit bietet – über Systemgrenzen hinweg. So können alle auf bereits vorhandene Strukturen im Sinne der Informationsvermittlung zugreifen und neue Hilfe-Angebote schaffen. Auch für Familien ist der Verbund ein klarer Pluspunkt: Hilfe kommt noch schneller und passgenauer bei ihnen an – ohne unnötige Umwege", sind sich Bürgermeisterin Nicole Maisch und Landrat Andreas Siebert einig.
"Gleichzeitig können komplexe, häufig vorkommende Fallarten von den Fachstellen gemeinsam besprochen und gemeinsame Lösungen abgestimmt werden – ohne dabei den Datenschutz zu verletzen. Wir wollen so versuchen, dass noch weniger Kinder und Jugendliche durch das Raster fallen," ergänzt Dr. Britta Röper, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel. Bei halbjährlich stattfindenden Netzwerktreffen kommen die Teilnehmenden in einen Austausch. Die Treffen sind für alle Helfende in den angesprochenen Strukturen offen. Die Teilnahme ist transparent organisiert sowie kooperativ und gleichberechtigt gestaltet.
Wer gehört zum Gemeindepsychiatrischen Verbund für Kinder und Jugendliche?
Im Verbund arbeiten alle für die psychische Gesundheit von Familien und Minderjährigen wesentlichen Akteure der Region. Dazu zählen unter anderem die Vitos Klinik für psychische Gesundheit des Kindes- und Jugendalters, das Sozialpädiatrische Zentrum und die Psychosomatische Abteilung des Klinikums Kassel, die Jugendämter aus Stadt und Landkreis, das Schulamt der Region Kassel, das städtische Amt für Schule und Bildung, die Jugendkoordination der Polizei, das Gesundheitsamt Region Kassel, niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen sowie -ärzte, das Beratungs- und Förderzentrum Kassel, Kinder- und Jugendpsychiaterinnen sowie – psychiater, Vertretende der ambulanten Jugendhilfeträger und Psychotherapeutinnen sowie -therapeuten.
Warum ist der Gemeindepsychiatrische Verbund für Kinder und Jugendliche etwas Besonderes?
Das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG §6a) in Hessen regelt bisher allgemein die Zusammenarbeit und Vernetzung der Hilfsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dies ist eine aus dem Gesetz hervorgehende Pflichtaufgabe der Gesundheitsämter. Gemeindepsychiatrische Verbünde und sozialpsychiatrische Netzwerke sind in Deutschland auf Länderebene in den psychiatrischen Landesgesetzen verankert, welche als Ergebnis der großen Psychiatriereform mit Beginn in den 1970-1980er Jahren entstanden. Das Ziel der Verbünde ist die wohnortnahe, umfassende und bedarfsgerechte Versorgung psychisch kranker Menschen – egal welchen Alters. "Kinder sind aber keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen besondere Strukturen, Akteure auf diesem Gebiet agieren anders als im Erwachsenensektor. Deswegen war es wichtig, dass wir für die Region Kassel mit dem neuen Verbund den Fokus speziell auf Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen legen", sagt Sebastian Overlack, Abteilungsleiter Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes Region Kassel.
Was hat Schulabsentismus mit dem Verbund zu tun?
Beim ersten thematischen Verbundtreffen stand jetzt Schulabsentismus im Mittelpunkt der über 40 Teilnehmenden. Dabei geht Schulabsentismus über die im Volksmund bekannte Schulschwänzerei hinaus. "Schulabsentismus bedeutet, dass Kinder oder Jugendliche nicht regelmäßig zur Schule gehen – obwohl sie schulpflichtig und beispielweise nicht krank sind. Anzeichen für Schulabsentismus können steigende Fehlzeiten, Leistungsabfall, passives Verhalten oder Regelmissachtung, oftmals bedingt durch soziale Konflikte oder ungelöste wie auch psychische Probleme, sein", erläutert Overlack.
Neben der themenbezogenen Vorstellung des staatlichen Schulamtes Stadt und Landkreis Kassel (Schulpsychologie) wurde Schulabsentismus vor allem unter dem Aspekt System- und Fallverständnis diskutiert. Dabei ging es etwa um die Frage, ab welchem Grad des Fernbleibens von der Schule Schulabsentismus vorliegt und wann welche Institution einbezogen oder tätig werden muss. Als Ergebnis auf breiter Ebene wurde eine zukünftige Strategie und Kooperation aller Teilnehmenden angedacht, die nun ausgearbeitet wird.
Fazit: Verbesserte Versorgung Minderjähriger "Es wurde allseits eine sehr hohe Bereitschaft für kommende Kooperationen und Teilnahmen an derartigen Treffen kommuniziert und wahrgenommen, so dass sich in Zukunft die Möglichkeit einer deutlich verbesserten Versorgung Minderjähriger auf Basis dieses kooperativen Netzwerks annehmen und weiter entwickeln lässt," stellen Bürgermeisterin Maisch und Landrat Siebert fest. "Wir möchten allen Beteiligten für ihre Offenheit gegenüber dem Verbund danken. Insgesamt fand auf Basis dieser Plattform eine große Vernetzung bestehender und teilweise schon in Kooperation befindlicher Institutionen und Personen statt, die den Austausch unterschiedlicher Fachlichkeit und Fallverständnis über die Systemgrenzen hinaus ermöglicht", sagt Röper abschließend.
Das kommende Treffen des Gemeindepsychiatrischen Verbunds für Kinder und Jugendliche im Herbst wird unter dem Titel "Systemsprenger" stattfinden.
Pressekontakt: A. Shuhaiber
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