Hitze und Gesundheit Thema bei Präventionskonferenz
Pressemitteilung von Mittwoch, 4. November 2026 Pressestelle LANDKREIS KASSEL
Hitze und Gesundheit Thema bei Präventionskonferenz Rund 70 Teilnehmende haben auf der zweiten Präventionskonferenz des Gesundheitsamts Region Kassel über das Thema Hitzeschutz der Bevölkerung diskutiert. Im Fokus stand die Gesundheit der Menschen in Stadt und Landkreis Kassel.
Landkreis Kassel. "Vor dem Hintergrund der bekannten gesundheitlichen Folgen von Hitze ist es unsere Aufgabe in der öffentlichen Verwaltung, die konkreten Herausforderungen der Menschen in ihrem Alltag zu kennen und in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade in einem Landkreis wie unserem mit vielen unterschiedlichen Ortschaften und Bedarfen ist dies besonders wichtig um unsere Bevölkerung gut schützen zu können ", erläutert Andreas Siebert, Landrat des Landkreises Kassel, das Ziel der Präventionskonferenz. "Für die Stadt Kassel ist die Präventionskonferenz nach Veröffentlichung des Hitzeaktionsplans ein weiterer wichtiger Baustein, um uns auf die kommenden Herausforderungen durch Hitze vorzubereiten. Denn eins ist sowohl bei der Konferenz als auch bei der Ausarbeitung des Hitzeaktionsplans klar gewesen: Hitzeschutz geht nicht allein über die kommunale Verwaltung. Hier ist ein breites Netzwerk an Akteurinnen und Akteuren in der gesamten Region nötig, um sich auf zukünftige Aufgaben gut vorzubereiten", ergänzt Nicole Maisch, Bürgermeisterin der Stadt Kassel.
Genau deswegen waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Institutionen zum Austausch eingeladen. Sie brachten Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebenswelten und Zielgruppen mit in die Diskussion. Vertreten waren unter anderem die Bereiche Kinder und Jugend, Pflege, Kommunalpolitik, Soziales, Gesundheit, Arbeit, Freizeit und Wohnen. "Diese Vielfalt war ein wichtiger Ausgangspunkt, um Perspektiven an diesem Tag zusammenzubringen und tragfähige Lösungsansätze zu entwickeln", sagt Dr. Britta Röper, Amtsleiterin des Gesundheitsamts Region Kassel "Der Austausch bot vor allem die Chance von den Erfahrungen der Akteurinnen und Akteure zu lernen und zu profitieren. Ein Beispiel dafür sind etwa ältere Menschen, die allein zu Hause leben und sich bei großer Hitze über mehrere Tage kaum oder gar nicht nach draußen begeben. Hier stellten sich unter anderem Fragen zur Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten und zur sozialen Ansprache, um Einsamkeit entgegenzuwirken. Hier wirkt weniger die Verwaltung als vielmehr das soziale Umfeld, die Nachbarn oder auch der Einzelhandel sowie Apotheken ", so Röper weiter. Die Auswirkungen von Hitze treffen nicht alle Menschen gleich: Besonders gefährdet sind Säuglinge, Schwangere, Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder Pflegebedarf sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommen Menschen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit viel im Freien aufhalten, sowie Menschen, deren Lebensbedingungen – etwa Armut oder ungünstige Wohnverhältnisse – den Schutz vor Hitze erschweren. Was brauchen Menschen, um gesund durch Hitzeperioden zu kommen?
Den fachlichen Einstieg zu dieser Frage gab Philine Betker von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG). In ihrem Impulsvortrag "Gesundheitlicher Hitzeschutz in Stadt und Landkreis" vermittelte sie wichtige Hintergründe und einen guten Überblick zum Thema. Sie erläuterte, dass der Klimawandel Hitzeereignisse häufiger und intensiver werden lässt. Hohe Temperaturen belasten den gesamten Körper und können die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Für Deutschland werden im Jahr 2026 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle angegeben – deutlich mehr als in den Vorjahren. Zugleich macht Hoffnung, dass sich viele gesundheitliche Folgen durch rechtzeitige Schutzmaßnahmen verhindern oder abmildern lassen. Entscheidend ist, die Herausforderungen konstruktiv anzugehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Guter Hitzeschutz sensibilisiert für Risiken, zeigt Handlungsmöglichkeiten auf und macht so Mut, statt Ängste zu schüren.
Mit diesem Input diskutierten die Teilnehmenden an Thementischen die Herausforderungen der verschiedenen Risikogruppen. Dabei teilten sie ihre Erfahrungen, tauschten Ideen aus und entwickelten mögliche Lösungsansätze. Im Mittelpunkt standen vor allem zwei Fragen: Was brauchen Menschen, um sich im Alltag besser vor den gesundheitlichen Folgen von Hitze zu schützen? Und was können die verschiedenen Organisationen und Einrichtungen in der Region dazu beitragen?
Guter Hitzeschutz bedeutet dabei mehr als Hitzeschutzmaterialien bereitzustellen und verlässliche Informationswege etabliert zu haben. Nach jeder Sommersaison gilt es zu prüfen, wie Menschen noch besser erreicht und unterstützt werden können. Hierbei gilt es spezifische Bedürfnisse von Menschen und ihre Vielfalt zu berücksichtigen, beispielsweise für Informationen in leichter Sprache oder anderen Sprachen. Netzwerke müssen geknüpft und für Hitzeschutz genutzt werden. Gleichzeitig müssen Personen angesprochen werden, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bei der Umsetzung von Hitzeschutz unterstützen – da, wo sich Menschen aufhalten und wo sich vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut haben.
Die Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Austausch sollen nun in die weitere Arbeit der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung des Gesundheitsamtes Region Kassel und alle am Hitzeschutz beteiligten Bereiche und Stellen einfließen.
"Klar ist: Hitzeschutz umfasst sowohl die langfristige Planung und Schaffung hitzegerechter Rahmenbedingungen als auch konkrete Maßnahmen an Tagen mit hohen Temperaturen. Ein Austausch zwischen Verwaltung, Fachkräften, Einrichtungen und Menschen vor Ort ist dafür unerlässlich. Die Präventionskonferenz hat unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht, für die unterschiedlichen Auswirkungen von Hitze sensibilisiert und wichtige Impulse für die weitere Arbeit in der Region geliefert", so Landrat Siebert und Bürgermeisterin Maisch abschließend.


