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Nachricht an die Gemeinde Helsa

Die Glocke

Östliche Glocke
Der untere Durchmesser beträgt 0,97 m, die Höhe 0,81 + 0,2 m. Sie wiegt 16 Zentner. Die Glocke hat sechs geschwungene Henkel, zwischen deren Füßen auf Helm Rippen angebracht sind, die im Kreuz auslaufen. Am Hals findet sich die Inschrift: "completa e anno dni m cccc in vigilia penthecoste defutos planga vivos voco fulgura frango". Die älteste Glocke wurde also 1400 gegossen. Als Trennungszeichen zwischen den Worten findet sich Maria mit dem Kinde (1,2 cm breit und 4 cm hoch). Auf den vier Seitenflanken befindet sich ein bärtiger Mann in kurzem Gewand mit Schwert oder Zepter auf Konsole. Am Unterteil sind Klöppel eingehauen. Dies ist die sog. Merten-Jäger-Glocke. Bereits vor zweihundert Jahren setzten die Helsaer diesem Bürger ein Denkmal. Am Seitengiebel eines Fachwerkhauses gegenüber der Helsaer Kirche, dem so genannten Merten-Jäger-Haus, sieht man ein schönes Schnitzwerk aus dem 18. Jahrhundert, welches einen bärtigen Mann darstellt, den Hund und Gewehr als Jäger kennzeichnet.

Mittlere Glocke
Ihr unterer Durchmesser beträgt 1,05 m, die Höhe 0,91 + 0,17 m. Sie hat sechs geschwungene Henkel, an deren Knickpunkten ein bärtiger Kopf zu sehen ist. Am Hals kann man die Aufschrift lesen: "Ich bin gegossen zu rufen die Christen zu hvuffe das sie lernen den Wech des heren Gottes Wort bleibet ewich Eckhart Kucher in Erfort gos mich M D LXXXVIII". Diese Glocke wurde somit 1588 gegossen. In der Schriftreihe finden sich als Ausfüllung der Schlusslücke Rosetten. Unter der Schriftreihe befindet sich eine Ornamentierung mit Putten. Das Ornament hat die Form der Blätter des Akanthus, eines stacheligen Staudengewächses aus dem Mittelmeergebiet.

Westliche Glocke
Bis zum 1. Weltkrieg fand sich hier eine Glocke (Unterer Durchmesser 0,63 m, Höhe 0,12 m, an deren Hals sich die Inschrift "HÖLSA ANNO 1676" befand). Die Glocke wurde im 1. Weltkrieg abgegeben, um in der Rüstungsindustrie umgeschmolzen zu werden. Mitglieder des Kirchenvorstands stifteten 1925 eine neue Glocke. Diese Glocke wurde neben den beiden anderen Glocken angebracht. Aber im 2. Weltkrieg (genau: 1942) musste auch diese zur Einschmelzung abgegeben werden. Die beiden großen Glocken blieben, da sie unter Denkmalschutz standen, im Dorf. Erst 1958 wurde eine neue Glocke angeschafft. Diese 280 kg schwere Glocke ist in C gestimmt. Sie trägt zwei Inschriften. Die Kirchengemeinde ließ eingravieren: "In necessariis unitas , in dubiis libertas, in omnibus caritas". (Im Notwenigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in Allem Liebe). Die politische Gemeinde wählte die Inschrift: "Ich rufe zur Einheit - ich mahne zum Frieden. Gemeinde Helsa 1958". Die Anschaffungskosten betrugen über 3000 DM. Kirchenvorstand, Gemeindevorstand und Gemeindevertretung hatten diesen Betrag in Haussammlungen zusammengetragen.

Die kleine Glocke wurde von jeweils einem Jungen geläutet, und zwar morgens zum Schulgang, bei Beerdigungen und zum Wochenende. Die östliche Glocke wurde um 11 Uhr geläutet; dies gehörte zu den Aufgaben des Ortsdieners. Die mittlere und größte Glocke wird im Verband mit den beiden anderen Glocken am Samstagabend um 18 Uhr (das Sabbatläuten), Sonntagmorgen um 8 Uhr, zum Gottesdienst und zur Beerdigung geläutet. Wochentags hört man um 8 Uhr nur die kleine Glocke.