Inhalt:
Die Empore
An der Süd-, West- und Nordseite des Schiffes ist die Empore. Anhand der Ständer, Balken oder nachträglich verschlossener Zapfen kann man noch heute drei Bauabschnitte feststellen. Zunächst wurde wohl nur über dem Portal eine Empore gebaut, die von Wand zu Wand ging. In einem zweiten Bauabschnitt wurde links und rechts die Empore gleichmäßig verlängert. Die Nordempore - sie liegt vom Kirchenausgang links - wurde dann schließlich in einem dritten Bauabschnitt bis zur Giebelwand verlängert. Wie sich diese sichtbaren Bauabschnitte mit den schriftlichen Quellen vereinbaren lassen, ist eine nur schwer zu beantwortende Frage. Auf eine Baumaßnahme verweist die Inschrift, die man auf einem Ständer der Nordseite sehen kann: ANNO DOMINI 1594 M(eister) HANS HEITENER. Der Standpunkt des Ständers spricht dafür, dass es sich hier bereits um die erste Emporenerweiterung handelte. Vielleicht ist der Ständer aber auch bei Umbauten versetzt worden.
1721 bemühte sich der damalige Pfarrer Rüppell um die Verschönerung der Kirche. Er erneuerte die Kirchenstühle und setzte die Empore instand. Weitere Ausbesserungen fanden 1729 statt. Bei diesen Arbeiten der Jahre 1721 und 1729 wurde die Empore wohl erstmals farblich verändert. Passend zu der zuvor eingebauten Barockorgel wurde das schlichte Eichenbauwerk mit prunkvollen Farben angestrichen. Der Anstrich wurde wiederholt geändert. Ältere Helsaer erinnern sich noch an die rote Färbung, welche den jetzigen eher schlichten Farben wich. Im zweiten Weltkrieg wurden durch Granatsplitter-Beschuss auch Teile der Empore zerstört. Karl Meister fertigte einige neue gedrehte Stäbe an. Weitere Ausbesserungen wurden vom Helsaer Zimmermeister Konrad Müller vorgenommen. Dieser war auch an den größten Umbauten des Jahres 1969 beteiligt. An der Südseite wurden Teile des Geländers abgenommen. Die heutigen Bänke wurden damals eingesetzt. Aber bedeutsamer: Die frühere dreistufige Bestuhlung wich einer zweistufigen. Bei diesen Arbeiten entdeckte man, dass für die früheren zwei Stufen alte Emporenteile benutzt worden waren. Man hatte sie - die Schnitzerei nach unten gerichtet - auf den Boden gelegt und die glatten Rückseiten als Stufen verwendet. Besonders interessant war ein in zwei Hälften geteiltes Emporenstück, welches in der Südempore (der Jugendempore) als Stufe gedient hatte. Auf diesen - heute immer noch vorhandenen und von Konrad Müller inzwischen wieder instand gesetzten - Emporenteilen findet sich eine Inschrift, welche lautet: "DIE JIZIGEN BAUMEISTER CHRISTOFFEL GEOR". Mit diesen Buchstaben bricht die Inschrift ab, man wird sie wohl zum Namen Gerold ergänzen können. Wahrscheinlich folgte noch ein weiterer Name. Diese Emporenstücke zeigen noch den unbemalten Originalzustand. Nur in kleinen Aussparungen, welche zwischen den gedrehten Stäben in Holz geschnitten waren, war das Holz schwarz (oben) oder rot (unten) gefärbt, ansonsten ist das Eichenholz unbehandelt. Die Schnitzereien kommen so - ohne Lack und ohne Zier - stärker zur Wirkung als in der jetzigen bemalten Ausführung.

