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Der Kirchturm
Zum Aussehen
Der Helsaer Kirchturm misst 34 Meter in der Höhe und überragt noch heute alle Gebäude des Dorfes. Der Turm zeigt "die meisten jener Einrichtungen, die weniger der bequemen Anbringung und Bedienung der Glocken als einer günstigen Bergung und Handhabung von Waffen zugute kamen". Die leicht zu verteidigende schmale Treppe im Oberteil liegt so innerhalb der alten Wehranlage. Schon wegen dieser Funktion des Turms kommt es dazu, dass er nicht der Kirchen-, sondern der politischen Gemeinde gehört.
Die Tonne mit den Toren geht - wie das Obergeschoss - schon auf die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Die aus rotem Sandstein erbauten Massivteile sind heute verputzt. "Die spitzbogige Tonne und ein ebensolches Portal mit Kämpferschräge (verweisen) auf die Zeit der Gotik". Die ältesten Teile des Turmes scheinen ebenfalls aus dem späten Mittelalter (dem 13. oder 14. Jahrhundert) zu stammen. Dies hieße, dass die gesamte Verteidigungsanlage (mit dem Kirchturm in seiner ursprünglichen Gestalt und der Kirche) auf die Entstehungszeit des Dorfes Helsa zurückweisen.
Ob die im Untergeschoss eingehauene Jahreszahl 1556 auf einen späteren Um- oder Neubau verweist, lässt sich nicht mehr sagen. Im Fachwerkaufsatz kann man die Zahl 1657 lesen. Etwas verborgen sind drei weitere Inschriften in den Querbalken. Die Inschrift lautet: ANNO 1657 DIN 22 MAY. IO HANNES GER HOLDT GREBE JEORGE MELER ZIMMER MEISTER FS. Auf dem zweiten Balken steht: JOHANNES SEELIGMANN GREBE JOHANNES KOC(H) ZIMMERN DEN 28. TAG SEPT ANNO 1776. Die obere Inschrift kann man nur schwer entziffern. Ohne Schwierigkeit liest man nur den Namen "WIELGES".
Holtmeyer schreibt über das Obergeschoss: "Das Obergeschoss teilt ein Bretterboden in zwei niedrige Kammern, groß genug, um Schützen aufzunehmen, die in jeder der vier Wände Scharten vorfanden. Für die nicht mehr erhaltene Spitze Gusserker und Pechnasen anzunehmen, erscheint erlaubt".
Auf einer Zeichnung des Jahres 1819 sind noch große Teile des Turms unverkleidet zu sehen. Aber auch im 18. und 19. Jahrhundert waren große Teile des Turms schieferverkleidet.
Die Fachwerkgeschosse enthalten das Glockengestühl mit den drei Helsaer Glocken. Während des 2. Weltkrieges war das Glockengestühl zeitweilig lose und wurde nur mit einem Keil am Turm befestigt. Mancher Kriegsheimkehrer war so leicht überrascht beim Blick auf den Helsaer Kirchturm. Wenn die großen Glocken geläutet wurden, schwang der gesamte Turm mit den Glocken mit. Zimmermeister Konrad Müller löste dieses Problem in kurzer Frist durch neue Streben. Mit der Einrichtung der elektrischen Läuteanlage - einer Spende des in Helsa geborenen Nobelpreisträgers Karl Bernhard Ziegler - wurden die Glocken auf Eisenstäben gelagert. Vorher waren sie auf großen Holzklötzen aufgehängt. Die Unmengen Schmiermittel, welche hier aufgetragen worden waren, haben immer noch ihre Spuren hinterlassen.
Die Uhrenglocken befinden sich im unteren Teil des doppelten Tambour. Die Uhrenglocken waren früher beweglich, sind erst jetzt starr angebracht. Die Laterne des Turms läuft in doppeltem Tambour mit Schweifhauben aus. Sie war früher mit Holzschindeln bedeckt, ist jetzt aber auch mit Schieferschindeln beschlagen.
Auf der Wetterfahne kann man die Zahl 1788 sehen. Die alte Fahne hatte so oft Schießübungen auszuhalten gehabt, dass sie gänzlich durchgeschossen war. Die neue Fahne kostete im Jahr 1788 fünf Taler. Sie wiegt 30 Pfund.
Auch der Kirchturmknauf hatte unter den Schießübungen zu leiden. 1788 bedauert der Schulmeister Johannes Walter, dass nur die Urkunden des Jahres 1657 zu lesen waren, nicht aber jene des Jahres 1727. Die Kugeln hatten nicht nur den Knopf durchschlagen, sondern auch die hölzerne Dose, in welcher die Urkunden aufbewahrt wurden.
Die Anbringung der Kirchturmuhr wandelte von Zeit zu Zeit. Ein Wechsel der Uhren fand 1905 statt: "Nach langem hin und her entschlossen wir (der Gemeindevorstand) uns dann doch (.) anstatt der alten längst verbrauchten Uhr eine Neue zu beschafften, und zwar stellt sich der Preis hierfür auf 2700 Mark. Der Lieferant ist der Uhrmacher August Vogt aus Cassel".
Diese Uhr musste von Hand aufgezogen werden. Die Gewichte, welche mit einer Kurbel hochgezogen werden konnten, sind heute noch vorhanden. Das Aufziehen der Uhr gehörte wohl zu den Aufgaben des jeweiligen Ortsdieners. Die älteren Uhren hatten schwarze römische Ziffern auf einem weißen Ziffernblatt. Die jetzige elektronische Uhr hat goldene Ziffern und ein blaues Ziffernblatt.
Die Renovierung des Kirchturms
Das Erscheinungsbild des Turmes wird durch den Fachwerkaufsatz bestimmt, der den Unterbau überragt. Auf seine Entstehungszeit deutet auch die Jahreszahl 1657, welche in der Ostseite des rechteckigen Mauerkörpers eingehauen ist. In den Urkunden im Kirchturmknauf heißt es zu dem Neubau des Glockenturmes:
"Als der Kirchturm allhier zu Helsa gar baufällig geworden, und fast die schönen Glocken, so auf dem Altenthurm gehangen, nicht mehr geläutet werden konnte. So hat die Gemeinde, wie schwer es ihnen auch gefallen, den Altenthurm abbrechen lassen und dieß Jahr nach unseres Erlösers und Seeligmachers Geburt Domini Schreibe Ein Tausend Sechs Hundert Fünfzig und Sieben von neuem Holzwerke wieder aufbauen müssen".
1727 und 1762 waren weitere Reparaturen fällig. Und dabei blieb es nicht. Der Turm wurde der Gemeinde teuer. In den Aufzeichnungen aus dem Kirchturmknauf heißt es 1786:
1776 und 1777 wurde der Kirchturm (,) weil die Schwellen und Säulen im 2ten Stockwerke, an der Abend- und Mitternachtseite durch den regen faul geworden war, repariert. Diese Reparation, und 4 Seiten mit neuen Schieferbrettern zu beschlagen, wie auch das Gehölze und Mauer mit Öhlfarbe anzustreichen und in Kalk zu legen, kostet 257 Rthlr (Reichsthaler), jedoch ist dieses Kapital durch dieses Vorstellen an Hochfürstl. Consistorium aus dem hiesigen Kirchenkasten nach und nach bezahlt worden(;) allein so lange dieses Kapital gestanden, hat die Gemeinde die Zinsen davon abgetragen müssen".
Auch der Kirchturm erlitt durch den Krieg einige Schäden. Die Ursache: In der Spitze saß ein deutscher Funker, welcher von den Amerikanern geortet wurde. Die Amerikaner hatten daraufhin den Kirchturm unter Beschuss genommen, wobei der deutsche Funker getötet wurde (und vom Turm stürzte). Die durch die Kriegsschäden fälligen Reparaturen wurden 1949 ausgeführt. In dem im Knopf bewahrten Schriftstück, welches ausführlich die Kriegsschäden schildert, heißt es am Ende: "Um den Kirchturm zu erhalten, wurde dieser im September 1949 instand gesetzt. Die Arbeiten wurden der altbewährten Dachdeckerfirma Heinz Lasch, Kassel, übertragen. Zimmermeister Wilhelm Kramer mit den Zimmerleuten Willi Schröder, Konrad Müller, Willi Gröll, Friedel Ober und Heinz Williges führten die Zimmerarbeiten aus. Klempnermeister Heinrich Ebeling und Klempner Otto Welch führten Klempnerarbeiten aus und öffneten die in der Kuppel befindlichen Dokumente". Bei weiteren Ausbesserungsarbeiten schlugen die Zimmerleute in den 60er Jahren die Holzschindeln ab, welche bis unters Dach gingen, und ersetzen sie durch Schieferschindeln. Bei derselben Baumaßnahme musste der Kirchturm leicht verkürzt werden. Die Stange, welche den Knopf trug, musste abgenommen werden. Der Knopf sitzt nun direkt auf der Laterne, was dem Kirchturm einen etwas gedrungeneren Eindruck verleiht.

