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Nachricht an die Gemeinde Helsa

Alaunsiedereyen

Bey Gross-Allmerode befinden sich zwey Alaunsiedereyen, welche beyde, hauptsächlich von der Ruelberg'schen Familie schon über 100 Jahre lang, gewerkschaftlich betrieben, und dem Landesherren verzehntet werden. Die eine befindet sich nahe bey der Stadt; die andre liegt bey Wickenrode, zwischen Helse und Gross-Allmerode, eine halbe Stunde von letzterer Stadt. Diese letzte Alaunsiederey, welche den Namen Steinkuhle führte, macht den Gegenstand meiner Beschreibung aus, weil die erstere aus Geldmangel mehrere Jahre ganz ruhig, ohne dass darin gearbeitet wurde, lag. Um dahin von der Stadt aus zu kommen, muß man über den angenehmen, grünen, mit allerley vulkanischen Produkten auf seiner Oberfläche versehenen, Hersberg oder Hirschberg gehen. Die Alaunhütte liegt tief im Thale (im Gilstergrunde), aus welchem die Alaunerde schon in einer Tiefe von 20 Lachtern vom Tage ab ausgebrochen ist. Die Alaunerde sitzt daselbst dicht zusammen, nicht so, wie sonst, in leicht zu trennenden Flöz-Schichten, und enthält zwischen sich viele mit Alaun geschwängerte Holzkohlen (Lignum Bituminosum), wovon hier sehr große Klöze zu sehen sind;, auch bisweilen versteintes , am Stahle Feuergebendes Holz. Die Alaunerde selbst besteht aus einem schwarzen, sehr eisenschüssigen, mit vielen Glimmerteilchen vermischten Thone, welcher in einem derben weißgrauen Quarzfelsen bricht. Den Alaun gewinnt man hier theils aus dieser Alaunerde, welche hier Lebererz heißt, theils aus den alaunhaltigen Kohlen (oder Schnapperz oder Anstecker) des ganz nahe dabey gelegenen Kohlenbergwerks, welches theils zu diesem Gebrauche, theils um Brand-Materialie zu erhalten, zum Vorteil dieser Hütte durch einen Stollen betrieben wird. Den Alaungehalt der Holzkohlen konnte ich nicht erfahren, aber aus 20 bis 30 Karren der Alaunerde (jeder Karren zu 2 Centner Erde gerechnet) erhält man einen Centner Alaun. Diese Alaunerde wird in großen Rösthaufen unter ganz freiem Himmel geröstet. Alle 6 Wochen wird über den brennenden Haufen eine neue Lage von Erde gefahren, zu dreymalen, bis er ungefähr 8 Fuß hoch ist, und etwa 300 Centner Erde enthält.

So lässt man ihn dann noch ein Jahr fortbrennen, in welcher Zeit der Arsenik und Schwefel aus der Alaunerde verfliegt, ohne aufgefangen und benutzt zu werden. Der Alaun setzt sich auf der Oberfläche des Haufens in flockichter Gestalt als Feder-Alaun, oder auch als weiße dicke Knospen (Blüte) an, und die eigentliche Erde brennt sich, ihres Eisengehaltes wegen, hell-ziegelroth. Das Auslaugen der gerösteten Alaunerde geschicht in Bassins oder Kasten, welche für die Winterarbeit unter einem Dache, für den Sommer aber ganz unter freyem Himmel sind. Sie haben 8 Fuß im Quadrat, eine Tiefe von einem Fuß und Ausfüllung von Thon und eine hölzerne Einfassung. Ein jedes hält 18 bis 20 Karren geröstete Alaunerde, denn sie werden nur 1 1/2 Fuß hoch damit gefüllt. - Dieser Laugkasten sind hier zusammen 32. Man macht in denselben drey Arten von Lauge, wovon aber nur die beiden ersten versotten werden; die dritte dient dann wieder zu einem neuen Auslaugen.

Nachdem das Wasser hier 24 bis 48 Stunden über der Alaunerde gestanden, und die Alauntheile aus derselben herausgezogen hat, so wird die Lauge in den Zeugkasten abgelassen. Die ausgelaugte Erde aber gebraucht man zur Verbesserung der Wege, wozu sie sich vorzüglich gut schickt, indem sie einen festen, trockenen und egalen Weg macht. Aus dem Zeugkasten leitet man durch Röhren die Lauge in die Pfannen, in welchen sie versotten wird. Die Pfannen sind ungefähr zehn Fuß lang, 4 Fuß breit und 6 Fuß tief und aus 3 starken Bleytafeln, welche hier selbst in besonderen Öfen gegossen werden, zusammengesetzt, und von außen mit Eisenblech überzogen. Eine solche Pfanne kann im Durchschnitt nur ein halb Jahr lang gebraucht werden, in welcher Zeit sie aber doch schon 3 bis 4 mal ausgebessert werden muß, alsdann wird sie wieder umgegossen. Das Gewicht einer Pfanne beträgt 12 bis 13 Centner, und der Preis derselben einige 80 Reichsthaler. Solcher Pfannen sind in dieser Alaunsiederey beständig 12 in Arbeit. Allezeit 2 und 2 werden von einem runden, aus Tras aufgeführten Ofen, meistens mit Steinkohlen, oder vielmehr den oben angezeigten gegrabenen Holzkohlen, doch auch zum Theil mit Holz gefeuert. Die bey zwey Pfannen nöthigen Arbeiten, nemlich das Sieden, verrichtet ein Arbeiter. Zum Niederschlagen sowohl der überflüssigen Vitriolsäure, als der Eisentheile aus der Lauge, bedient man sich hier, statt der Pottasche ec., eines Zusatzes von faulichtem Urin, welcher von besondern Weibern in der Stadt und in den benachbarten Dörfern gesammelt, und hierher in kleinen Fässchen, das Fässchen für 4 Pfennige, geliefert wird; demohngeachtet soll blos der Urin dieser Fabrik über 500 Rthlr. kosten. In der Zeit von 24 bis 36 Stunden ist die Lauge gahr gesotten. Ob die Lauge gahr gekocht sey, erkennt man daran, wenn ein auf ein Brett fallen gelassener Tropfen bald erstarrt. Man erhält auf diese Art aus 14 Centnern Lauge ½ Centner Alaunmehl oder Grand, das heißt, kleine, schmutzig- weiße, noch mit Unreinigkeiten vermischte Alaunkrystalle, welche daher nochmals geläutert werden müssen. Das Alaunmehl wird in dieser Absicht, nachdem es völlig abgetrocknet ist, nochmals in reinem Wasser aufgelöst, und von neuem, etwan 12 Stunden lang, in eisernen Kesseln, bis zum Krystallisationspunkte erngesotten. Hierauf kommt diese zweyte Lauge in die hölzernen Wachsgefäße, in welchen der Alaun nur in großen Krystallen anschießt oder wächst. Diese Wachsgefäße haben die Gestalt einer gewöhnlichen Biertonne, und in denselben braucht die Lauge gewöhnlich 8 Tage lang, bis sich alle Krystallen gebildet haben. Über dem Faß liegen Queerhölzer, an welchen einige Stäbe hängen, und an diesen schießt der Alaun an.
In dem mittleren Theile der Wachsgefäße schießt der Alaun in sehr grosen, öfters ½ Ellen langen, achteckigen Krystallen, an den Seiten derselben aber in derben, festen, unausgebildeten Klumpen an; doch bemerkt man beim Gebrauche des Alauns in der Güte keinen Unterschied zwischen beyden Arten. Ein solches Faß liefert 7 Centner fertigen Alaun. Diesen Alaun wird nun vollends auf die gewöhnliche und bekannte Art behandelt, er wird nemlich, nachdem die Wachsbrühe davon abgelassen ist, in seiner Krystallengestalt durch die Wäsche völlig gereinigt, in kleinere Stücken zerklopft, diese auf der Trockenbank getrocknet, und dann centnerweise in Fässer eingepackt. Im Jahre 1785 war der Preis eines Centners dieses Alauns 9 Reichsthaler. Der Absatz derselben geschieht zum Theil im Lande selbst, größtentheils aber nach Sachsen, Eisenach, Thüringen ec. Wenigstens ehemals schäzte man diesen Alaun in Nürnberg und anderen Orten vor allem anderen. In dieser Alaunsiederey selbst sind über 30, mit allen übrigen Nebenarbeiten z.B. dem Kohlengraben ec. dazu gerechnet, aber gegen 80 Menschen beschäftigt, welche dadurch ihren Unterhalt haben, und wovon ein jeder 1 Rthlr. Wochenlohn erhält (***). Der Gewerke oder Intressenten zu diesem Alaunwerke sind 4, wovon der eine in der Fabrik selbst wohnt, und der übrigen Gesellschaften über Ausgabe und Einnahme Rechnung ablegt. Der Landesherr erhält, wie schon oben angezeigt ist, den Zehnten von dem Gewinnste; dagegen erhalten aber die Gewerken eine gewisse Quantität Brand- und Bauholz. Der sämmtliche jährliche Ertrag dieser Alaunsiederey wird auf einige 30.000 Rthlr. geschätzt, welches wirklich nicht zu viel ist, da allein die Arbeiter, nach der vorigen Angabe ihres Lohns, jährlich über 4000 Rthlr. wegnehmen.

(***) Im Jahre 1780 waren bei allen Alaunwerken im Hessen-Casselschen 6 Bedienten und 55 Arbeiter. S.: Beckmanns Beiträge zur Oekonomie, Technologie ec., Fünfter Teil, S. 189.